Sternenzauber

„Im Mondschein tanzte eine dunkle Gestalt. Tausend Sternenhände bewegten sich auf und ab auf dem Klavier. Ich betrachtete die Szene, war verzaubert von den Gedanken, die mich umgaben. Konnte nicht klar denken, nur betrachten und mit einem Lächeln den Moment vollenden.“

 

Oh, welch wundersame Worte drangen dort an mein Ohr. Ich war verliebt in sie, süchtig nach ihrer Existenz, damit nur mehr liebevolle Buchstaben aneinandergereiht in mein Gehirn dringen konnten. Jede einzelne Zeile, jeder türkisfarbene Tintentropfen verzauberte mein Herz, es schien, als würde sie mir ihre Worte wie Sternenstaub in meine Gedankenwelt hinein pusten, sachte, zart.

Aber dann hörte ich die Tür klappern, ich rappelte mich auf noch völlig verschroben von den Sätzen, die ich soeben gelesen hatte, legte das Buch weg und setzte mich auf den mir zweierlei so nahe stehenden Sessel. „So, Milch gab’s nicht mehr, aber dann können wir ja einfach die Sojamilch, die du gefunden hast, nehmen, okay?“, unsere Blicke trafen sich, meiner tanzte weiter über ihre aufmerksamen, klaren Augen, spazierte zärtlich auf ihrem vollen Mund herum, glitt schließlich hinab, rutschte ihre sanften Kurven hinab zu ihren wunderbar weichen Mädchenbeinen… seufz.

„Ja, machen wir“, hörte ich jemanden sagen, der meine Stimme verdächtig gut imitierte. Irgendwas in der großen Hülle meines Körpers sagte mir, dass ich es selbst war. „Gut, kommst du dann?“, fragte sie und ihre Stimme klang schöner als die angehauchte Fingerbewegung über eine Harfensaite. Dazu erfüllte ihr kehliges Lachen den Raum, spielte eine herzhafte Note mit und ließ mich dahin schmelzen wie Kuvertüre im Wasserbad, wenn sie die richtige Temperatur erreicht.

„Was ist denn mit dir los?“, war sie eher besorgt, beunruhigt, genervt oder alles zusammen? Mir fiel keine Antwort ein, ich verzog bloß die Lippen zu einem Lächeln, fast schon dümmlich kam ich mir vor. „Alles schön an dir“, erklärte ich geistesgegenwärtig und stand wie in Trance auf, um mich auf die Küche zu zu bewegen.

„Ähm, danke…“, neben mir wurde ein Gesicht ein paar Grad wärmer, glich einer reifenden Tomate, aber das war mir völlig egal.

Verlorene Gedanken strömten an mir vorbei, auf der Suche nach einer Antwort, die sie ruhig stimmen konnte. Ich beachtete sie kaum, ließ sie vorbeiziehen, vorbei gießen wie die Sojamilch in meiner Hand. „Elias! Bist du überhaupt anwesend?“, ihre Stimme streichelte meinen Rücken und ich stellte mir vor, es wären ihre feingliedrigen Hände. „Mann, dann mach ich’s halt alleine. Aber das kannst du jetzt wegwischen. Das nächste Mal kann ich auch wieder alleine backen… mach ich eh viel lieber.“, Verärgerung schwang durch den Raum, ich reagierte nicht, rührte weiterhin gedankenlos in der Milch und griff wahllos irgendwelche herumstehenden Zutaten.

Dann plötzlich überkam mich ein Gedanke, so heiß und doch so kalt, jagte mir den Rücken hinunter und mit einem Schlag war ich wieder wach.

„Sag mal, hast du eigentlich einen Freund?“, ich versuchte sachlich und freundschaftlich zu klingen, mir keine Enttäuschung anmerken zu lassen, wenn sich mein Verdacht bestätigen könnte.

„Ich hab mehrere Freunde und einer davon bist du“, meinte sie ausweichend, lächelte versöhnlich. Ich grinste leer zurück, fühlte mich einerseits geschmeichelt, andererseits niedergeschlagen. „Einer davon bist du“. Einer unter 10 Milliarden gesichtslosen Arschgeigen, die sich Hoffnungen machen, diese göttliche Schönheit auch nur einmal berühren zu können. Und wenn es auch nur 5 Leute waren, reichte schließlich schon, um Hoffnung schrumpfen zu lassen.

„Du bist heute so geschmackvoll wie diese Sojamilch.“, erklärte ich und fühlte mich furchtbar lyrisch begabt dabei. Sie steckte vorsichtig ihren Zeigefinger hinein und kostete. „Dann bin ich heute wohl ziemlich sauer. Was hast du denn da bitte rein getan?“

Ich zuckte desillusioniert mit den Schultern und betrachtete schuldbewusst das kleine gelbe Fläschchen Zitronensäure neben mir. Sie verfolgte meinen Blick, ließ Demut walten und lachte. „Und auf dich trifft geschmacklich dieser Teig hier zu…“, erwartungsvoll hielt sie mir eine große, rote Schüssel hin. Ich probierte und lächelte froh in mich hinein. „Du bist heute mal wieder besonders süß… Ich hab wohl auch nicht ganz aufgepasst. War mit den Gedanken irgendwie woanders.“, entschuldigend schaute sie mich an. Ich nahm sofort all ihre Entschuldigungen an. „Und wo warst du?“, fragte sie mich. Ich dachte nach. Ja, wo war ich gerade wohl in Gedanken. „Ähm, ich war… ganz hier. In der Küche. Nur nicht in meinem Körper, nicht bei mir.“ „Bei der Sojamilch warst du aber auch nicht“, sie lachte wieder.

„Also ich war lustigerweise eher bei dir… weiß auch nicht, warum. Ich hab überlegt, was du gerade denkst.“

„Nun ja, ich habe versucht, die Position eines Beobachters in dieser Küche einzunehmen. War schon interessant.“

„Und was ist dabei raus gekommen?“

„Ach, nichts Nennenswertes.“

„Ja klar. Sag’s doch ruhig. Ich kann mit Kritik umgehen. Manchmal ist es wirklich nicht so sauber hier überall…“

„Nee, ich glaube nicht, dass du damit umgehen kannst…es ist.. schwierig.“
„Ach so. Ich kann damit eh nicht umgehen. Na dann.“, sie drehte sich um, wirkte beleidigt. Doch ich hörte ein leises Kichern. Meine Hand näherte sich ihrem Rücken und ich begann sie zu kitzeln. Sie kreischte auf, lachte so wundervoll wie sie es immer tat, sodass ich vergaß, weiterzumachen. Sie hielt in der Bewegung inne, nahm dann meine Hände und legte sie auf ihre Wangen. Weicher als Pashmina, dachte ich. Wir sahen uns in die Augen, unbeschreiblich glitzerten sie im Nachmittagslicht. Ich seufzte, beugte mich zu ihr und tat dass, wonach mir schon die ganze Zeit gewesen war.

 

Heimatgefühl

Heimatgefühl

Warum gibt es keinen Reim

auf dies Substantiv zu „heim“,

mit dem man den Ort benennt,

den man so wie keinen kennt?

Im Kleiderschrank die alten Blusen

hach, wie weich war Mutters Busen,

an den ich mich oft zärtlich schmiegte

als sie mich ins Traumland wiegte.

Einen Platz in meinem Zimmer

gibt es dank dem Reimwort „immer“.

Meine wohlverdiente Pause

reimt sich auf das Wort „zu Hause“.

Und das milde Wort „Belohnung“

hockt abends in meiner Wohnung

Genießen bis ins ewige Maße

kann ich das Gehen auf meiner Straße

Und auch hier in meinem Kieze

gibt’s wohl niemand‘ den ich sieze

Niemals sehe ich mich satt

an den Reizen meiner Stadt

Vieles ist mir unbekannt

noch an meinem Heimatland

Wovon man mich selten trennt,

ist mein eig’ner Kontinent

Sicher ist auch, dass die Erde

ich niemals verlassen werde

Ähnliches gilt für die Welt,

weil es mir so gut gefällt

Ist es doch viel zu bequem

in unserem Sonnensystem

Und nicht Busse oder Taxis

bringen mich fort aus der Galaxis!

Ein stetiger Lebensbegleiter

und heimlicher Wegbereiter

ist für mich von großer Sache

ihn tauf‘ ich stolz „die Sprache“

Mit ihr find‘ ich für jeden Ort

ein vorzüglich passendes Wort

Dass, wofür’s fast keinen Reim hat,

das ist für mich wahre Heimat!

Hier einen ausgelutschten Neuanfangstitel vorstellen

Lieber Leser!

Einige Blogversuche habe ich schon gewagt, bin aber aufgrund von Demotivation, Unlust am Computer zu sein oder Unkreativität immer wieder davon abgedriftet…

Mir geht es hier nicht hin, einen wahnsinnigen Bekanntheitsgrad zu erreichen und mit einer 6-stelligen Zahl an Lesern zu protzen, sondern einfach meine Liebe zum Schreiben aufrechtzuerhalten, Austausch zu ermöglichen und vielleicht auch den einen oder anderen damit zu bereichern, inspirieren, zum Nachdenken anregen oder einfach erfreuen. Na mal sehen.

Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße,

Juli im September